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St. Vincent


Track-By-Track St. Vincent: Annie Erin Clark ist eine viel gefragte Frau. Die Texanerin steht nicht nur bei allen großen Modemagazinen als Model hoch im Kurs, sie ist in erster Linie Musikerin – „mit einem großen M“, wie sie uns im Track-By-Track berichtet – zum mittlerweile fünften Album, das sie mit ihrer Band St. Vincent dieser Tage veröffentlicht hat. In den elf neuen Stücken geht es um Klapperschlangen, halluzinogene Begegnungen – und natürlich um die Liebe …

RATTLESNAKE

Das ist einfach, denn tatsächlich ist das ganz wörtlich gemeint und bezieht sich auf eine Geschichte, die mir im Westen von Texas passiert ist, nahe der Grenze zu Mexiko. Ich besuchte die Viehfarm eines Freundes, die meilenweit von jeder anderen Form von Zivilisation entfernt ist. Wer die „Border-Trilogie“ von Cormac McCarthy gelesen hat, dem ist diese Gegend vielleicht vertraut. Ich lief also allein durch die Landschaft und ich fühlte mich großartig. Ich entschloss, mich auszuziehen, um ganz eins mit der Natur zu werden – und hörte plötzlich dieses Rasseln. Ich hielt inne und sah aus dem Augenwinkel diese Klapperschlange. Und dann rannte ich und rannte, bis ich wieder zu Hause war.

BIRTH IN REVERSE

Ich las „Birds Of America“ von Lorrie Moore – einer fantastischen Autorin. In dem Buch beschreibt sie etwas, das die Form einer „umgekehrten Geburt“ und ich dachte nur: Wow, was für eine großartige Formulierung, gerade mit diesem Binnenreim. Ich schrieb letztlich einen ganzen Song nur um diese Idee herum. Eines Tages sagte mir mein Produzent: „Da hast du ja einen richtig knackigen Popsong über den Tod geschrieben“. Erst in dem Moment ging mir auf, dass das so wohl stimmt!

PRINCE JOHNNY

Der Song handelt von einem sehr lieben Freund aus New York. Die Stadt hat eine fantastische Geschichte von verrückten Künstlern in der queeren Szene. Das Lied ist ein Liebesbrief an diese Szene.

HUEY NEWTON

Ich bin im letzten Jahr sehr viel gereist, oft auch in wirklich weit entfernten Orten. Ich benutzte Ambien, ein Schlafmittel, das gegen Jetlag hilft. Das Problem ist: Wenn man sich nach der Einnahme hinlegt, schläft man wie ein Baby – wenn man das aber nicht tut und wach bleibt, findet man sich irgendwan… auf einem Trip wieder! (lacht) Ich war also in Helsinki, auf diesem Ambien-Trip und halluzinierte, Huey Newton, der Begründer der Black Panther-Party, sei mit mir im Zimmer. Wir haben dann einander das Herz ausgeschüttet! (lacht)

DIGITAL WITNESS

Ein Stück über dieses Phänomen unserer Zeit: Wir haben unser „analoges Ich“, aber eben auch eine digitale Identität – unser Social Media-Ich. Dabei haben wir verlernt, eine private Erfahrung nur mit uns selbst haben. Wir haben das Gefühl, alles dokumentieren zu müssen – sei es über Instagram, Twitter, Facebook. Zudem ist das Internet der Wilde, Wilde Westen, in dem man alles tun kann, ohne dass es Konsequenzen hätte. Zumindest denken wir das. Der Song handelt davon, wie all das sowohl Voyeure als auch Exhibitionisten aus uns gemacht hat.

I PREFER YOUR LOVE

Dieser Song liegt mir sehr am Herzen. Er erzählt von bedingungsloser Liebe. Ich will nur so viel sagen: Bedingungslose Liebe kann uns unzähligen Richtungen entgegen gebracht werden – die Liebe, die wir von unseren Eltern empfangen, vom Partner und so weiter.

REGRET

Das menschliche Befinden: Wir sind alle allein. Uuuuund – es ist eine Party-Nummer! (lacht) Und zwar eine, die sich gewaschen hat!

BRING ME YOUR LOVE

Hier geht es um Besessenheit. Ich hörte mir türkische Psychedelic-Musik an und jede Menge Heavy Metal von Bands wie Pantera, Metallica, Iron Maiden. Wenn ich ganz ehrlich bin: Das Riff aus diesem Song ist eine Hommage an „Cowboys From Hell“ (das im Jahr 1990 erschienene fünfte lbum der ebenfalls aus Texas stammenden Metal-Band Pantera)!

PSYCHOPATH

Ein Liiiiiebeslied! Ich hielt mich gerade in Mexiko auf, als… (überlegt lange) Es geht um das Konzept von Liebe über große Entfernungen hinweg. So etwas lässt die kleinen Geschichten schnell verblassen und lässt die Beziehungen, die wirklich zählen, umso strahlender leuchten.

EVERY TEAR DISAPPEARS

„Love This Giant“, mein letztes Album, war sehr traurig und beschäftigte sich mit enormen inneren Schmerzen. Bei dieser Platte nun geht es eher darum, realistisch zu sein und dennoch stark zu sein. Es klingt nach einem riesigen Klischee, aber es stimmt nun mal einfach: Was dich nicht umbringt, macht dich stärker. Dieser Song beschreibt, wie weit die Dinge mittlerweile gekommen sind.

SEVERED CROSSED FINGERS

Dies ist ein weiteres Stück, das mir besonders wichtig ist. Es ist eine Ballade, die ich einem einzigen Take eingesungen und aufgenommen habe. Wenn man an einem Album arbeitet, möchte man ja immer ganz spezielle Momente erleben und sich denken: Das war jetzt etwas wirklich Besonderes, das sich so auch nicht aus dem konkreten Zusammenhang herausreißen lässt. Perfektion ist mir nicht so wichtig – sie macht Musik doch ganz schön langweilig.

Link: www.ilovestvincent.com

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