Tag Archives: FOTOGRAFIE

THE ART OF BOXING


Eine besondere Ausstellung, welche Zeitgeschichte, Boxsport, Fotografien und Zeichnungen vereint, ist zur Zeit in New York zu sehen: Die New-York Historical Society feiert die große Boxlegende Muhammad Ali (1942-2016) und zeigt Fotos und Bilder, die Alis Einzigartigkeit seines kunstvollen Boxstils und seine extrovertierte Persönlichkeit widerspiegeln. Die Ausstellung erforscht damit auch die langjährige Beziehung des Boxsportlers zu dem Maler LeRoy Neiman und zu dem Fotografen George Kalinsky. Highlights sind die 21 lebendigen Aquarelle und on-the-spot-Skizzen von Neiman, welche die einzigartige Energie des Boxchampions erfassen. Der zweite Teil der Ausstellung, „I Am King oft he World“, zeigt die hervorragenden Fotografien von George Kalinsky: 45, teils sehr persönlich-intime Aufnahmen von Ali innerhalb und auch außerhalb des Ringes. Kalinsky war über fünfzig Jahre lang der preisgekrönte Hausfotograf des Madison Square Garden.

Die Fotografie „Head to Head“ ist der erste der berühmten „Kopf-an-Kopf“ – Schüsse von Joe Frazier und Muhammad Ali. Es ist der Auftakt zu dem Kampf des Jahrhunderts mit den Giganten des Boxsports im Madison Square Garden im Jahr 1971. „Muhammad Ali, LeRoy Neiman and the Art of Boxing“ and “I Am King of the World”, Photographs of Muhammad Ali by George Kalinsky. Bis 26. März 2017. New-York Historical Society, 170 Central Park West, New York, NY 10024, USA. Link: www.nyhistory.org

Image Credits: George Kalinsky, Joe Frazier and Muhammad Ali, 1971, Chromogenic print from original scanned film, Courtesy George Kalinsky; LeRoy Neiman Ali vs. Frazier, Fight II, Round II at Madison Square Garden, January 28, 1974, Mixed media on paper Courtesy LeRoy Neiman FoundationGeorge Kalinsky;  George Kalinsky, Muhammad Ali working out at Madison Square Garden, 1967, Chromogenic print from original scanned film, Courtesy George Kalinsky; Muhammad Ali training at Madison Square Garden, 1967, Chromogenic print from original scanned film, Courtesy George Kalinsky.

GOOD PROSPECTS 2016/2017


Einmal im Jahr ermittelt die Fachjury des Fotowettbewerbs „gute aussichten – junge deutsche fotografie“ die besten Arbeiten einer neuen Fotografen-Generation. Erstmals findet die Auftaktausstellung des wichtigsten deutschen Nachwuchspreises in diesem Jahr in Düsseldorf statt. Die Preisträger und Preisträgerinnen für 2016/2017 sind: Miia Autio, Chris Becher, Carmen Catuti, Andreas Hopfgarten, Holger Jenss, Quoc-Van Ninh und Julia Steinigeweg.

Auf den ersten Blick sind dunkelhäutige Menschen Gegenstand der Porträts von Miia Autio. Ein roter Punkt auf den Fotografien zieht den Blick auf sich und irritiert zugleich. Wir können beim eingehenderen Betrachten erkennen, dass uns hier nicht das Positiv, sondern das Negativ präsentiert wird. Und darum sind hier keine dunkelhäutigen Menschen portraitiert, sondern Albinos. So behandelt ‚Variation of White‘ in tiefgründiger Weise das subjektive Sehen und das Entstehen von Bildern in unserem Kopf. Ausstellung: gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2016/2017. Bis 15. Januar 2017. Location: NRW-Forum Düsseldorf · Ehrenhof 2 · D – 40479 Düsseldorf. Link: www.nrw-forum.de

Credits & Copyright: Ausstellungsfoto H. G. Teiner, BOLD THE MAGAZINE, Foto Miia Autio, Variation of White, www.guteaussichten.org; Foto Carmen Catuti, Marmarilo, www.guteaussichten.org; Foto Julia Steinigeweg, Ein verwirrendes Potenzial, www.guteaussichten.org

BLING BLING BABY


Bis zum hemmungslosen Kitsch: Glam Fashion, schrille Farben, übersteigerte Sujets, modern Pop-Art, naive Oberfläche und sinnige Tiefe dahinter. Diese Ausstellung stimmt fröhlich, ist begeisternd und macht nachdenklich. Dem modernen und schnellen KonsumLifeStyle wird ein großer Zerrspiegel vorgehalten. Die Bonbonfarben erfrischen den Geist, die Surrealität erregt die Seele. Ob röhrende Hirsche, Alpenglühen oder Sonnenuntergang: Seit der Romantik gehört die Überzeichnung zur immer wieder zitierten Spielart in der Kunst. Die Glorifizierung des Trivialen, des sentimentalen Überschwangs hat auch in der Fotografie zu einer eigenständigen Bildsprache geführt. Jeff Koons lächelt uns ins Gemüt: Kitsch ist Kunst.

Guy Bourdin war der erste, der schillernde Farben und skurrile Settings für seine Modeinszenierungen verwendete. David LaChapelle, Miles Aldridge und Pierre et Gilles führten diesen Flirt mit dem Pop auf sehr erfolgreiche Weise fort. Ihnen nachfolgend lässt sich eine junge Riege an Fotokünstlern ausmachen, die mit viel Fantasie und Farbgewalt die Grenzen des Mediums ausloten: Der Niederländer Ruud van Empel postiert Idealgestalten vor paradiesischen Hintergründen, der Marrokaner Hassan Hajjaj ergänzt Hipster-Porträts im Mustermix durch gefundene Gegenstände à la Warhol, der Engländer Jason McGlade arrangiert Menschen, Blumen und Tiere auf einem Glasscanner, das Duo Christto & Andrew aus Doha entwirft ganze Wandwelten mit ihren schrägen Motiven, das schwedische Paar Inka & Niclas kreiert Felsbilder, die gleich den kitschigen Rahmen mit einbeziehen. Nadine Barth ist die Kuratorin dieser inspirierenden Ausstellung: Sie studierte Philosophie, Literatur und Kunstgeschichte in Hamburg und arbeitete viele Jahre als Journalistin und Galeristin. BLING BLING BABY! GLITZER, GLAMOUR UND EIN FLIRT MIT DEM POP. Bis 15. Januar 2017. Location: NRW-Forum Düsseldorf · Ehrenhof 2 · D – 40479 Düsseldorf. Link: www.nrw-forum.de

Credits & Copyright: „Miss Miami Nice”, Nico & Anna, Hamburg 2011, © Esther Haase; Mike Schreiber: B.G., New York 2007;  © Bela Borsodi, The Expandables, Tatler Russia, 2011; © Matt Henry, Wilma in Hot Tub, from the series „Twin Palms“, 2016, Courtesy Flatland Gallery, Amsterdam

Ein anderer Blick


Kunsthal Rotterdam präsentiert die große Retrospektive: „Peter Lindbergh: Ein anderer Blick auf Modefotografie“. Die erste Ausstellung in den Niederlanden, die dem deutschen Fotografen Peter Lindbergh gewidmet ist, eröffnet am 10. September 2016 und ist dann bis zum 12. Februar 2017 zu sehen. Die Kunsthal Rotterdam hat die 220 Fotos umfassende Ausstellung initiiert, produziert und wird für die Tour verantwortlich sein. Im Rahmen dieses spektakulären Überblicks über Lindberghs umfassendes Werk wird auch exklusives Material gezeigt, dass von bisher niemals gezeigten persönlichen Notizen, Storyboards, Props, Polaroids, Kontaktbögen und Filmen bis hin zu monumentalen Drucken reicht. Es handelt sich um eine großangelegte Retrospektive der Arbeit des Fotografen. Lindberghs reine Schwarz-Weiß-Fotografien haben den Verlauf der Modefotografie seit den frühen 1980er Jahren bestimmt. Link: www.kunsthal.nl

PROVOKE – JAPAN PHOTOART


Die japanische Zeitschrift Provoke erschien 1968 bis 1969, ist weltweit Kult und gilt heute als eine der wichtigsten fotografischen Publikationen des 20. Jahrhunderts. In ihren drei Ausgaben fanden die besten Arbeiten aus der japanischen Fotografie der 1960er Jahre zusammen. Avantgarde und Lifestyle in einem faszinierenden Rückblick! Erstmals wird jetzt in Winterthur das gesamte Umfeld und der breite Einfluss der Zeitschrift als ein kollektives Projekt beleuchtet. Die umfassende Ausstellung verortet Provoke zwischen den politischen Bewegungen der 1960er und dem Aufblühen der Fotografie in ihrer Beziehung zur japanischen Performance-Kunst während der frühen 1970er Jahre.

Mit Arbeiten von Nobuyoshi Araki, Eikō Hosoe, Kazuo Kitai, Daidō Moriyama, Takuma Nakahira, Shōmei Tōmatsu und vielen anderen, geht die Ausstellung künstlerischen Provokationen nach und zeigt dabei nicht nur die Proteststimmung, sondern auch die performativen Seiten der japanischen Fotografie. Die Ausstellung wurde kuratiert vom Fotomuseum in Zusammenarbeit mit der Albertina, Wien; LE BAL, Paris; und The Art Institute of Chicago. PROVOKE: ZWISCHEN PROTEST UND PERFORMANCE – FOTOGRAFIE IN JAPAN 1960–1975, Fotomuseum Winterthur, Grüzenstrasse 44 + 45, CH-8400 Winterthur. Bis zum 28. August 2016 anzusehen. Link: www.fotomuseum.ch

Fotos / Bildnachweise: Shōmei Tōmatsu, Chi to bara (Blut und Rose), 1969 © Shōmei Tōmatsu, Estate / Galerie Priska Pasquer; Anonym, Proteste gegen den Bau des Narita-Flughafens, um 1969. Courtesy, The Art Institute of Chicago; Yutaka Takanashi, Beatles, Marunouchi Shōchiku, Chiyoda-ku, 1965, © Yutaka Takanashi / Taka Ishii Gallery; Eikō Hosoe, Kamaitachi #31, 1968 © Eikō Hosoe

UNCENSORED PHOTOGRAPHS


In der Metropole Brüssel, in den Königlichen Museen der Schönen Künste von Belgien, öffnete eine aufsehenerregende Fotoausstellung ihre Tore. Andres Serrano ist ein international bekannter Fotokünstler, dessen Arbeiten zugleich begeistern und irritieren können. Er kann aufwühlen und provozieren. Good Taste und Bad Taste liegen hier auf den ersten Blick nahe beieinander. Die großformatigen und technisch perfekten Fotoprints beinhalten beim näheren Hinsehen oft einen hintergründigen Aspekt, der nicht selten den unvorbereiteten Betrachter schockieren kann. Serranos Werke konfrontieren mit einer im Mindesten verstörenden Realität und zwingen oft zur Reflexion über das Dargestellte.

Über 150, zu Teil sehr großformatige Arbeiten, warten auf eingehende Betrachtung. Im Eingangsbereich zur Ausstellung wird die Serie des Künstlers gezeigt, die in den Straßen von Brüssel entstanden ist: „Denizens of Brussels“. Das sind ausdrucksstarke, großformatige Portraits der Obdachlosen der Stadt in ihrer aktuellen Lebensweltwirklichkeit. Serrano, am 15. August 1950 in New York City geboren, studierte von 1967 bis 1969 an der Brooklyn Museum of Art School, er lebt und arbeitet in New York. Die Ausstellung ANDRES SERRANO – uncensored photographs ist in der Metropole Brüssel in den Königlichen Museen der Schönen Künste von Belgien bis zum 21. August 2016 anzusehen. Link: www.fine-arts-museum.be  Mehr dazu in Heftausgabe # 23 BOLD THE MAGAZINE.

Fotos / Bildnachweise: Pieta, 1985, Cibachrome, silicone, plexiglas, wood frame, 82.6 × 114.3 cm, © Andres Serrano, Courtesy Galerie Nathalie Obadia Paris/Brussels; Camelia, 2015, © Andres Serrano, Royal Museums of Fine Arts of Belgium, DENIZENS OF BRUSSELS SERIES; Omar Berradi, 2015, © Andres Serrano, Royal Museums of Fine Arts of Belgium, DENIZENS OF BRUSSELS SERIES; 2013, © Andres Serrano, Courtesy Galerie Nathalie Obadia Paris/Brussels, SIGNS OF TIME SERIES

OLAF BREUNING


Im Zentrum der Ausstellung steht die mehrere Kubikmeter umfassende und tonnenschwere „Sand Sculpture“ in Form einer Sphinx, wie sie Olaf Breuning 2008 für die Art Basel in Miami Beach installierte. Der Künstler ist bekannt für seine eindrücklichen Bildwelten und ironischen Betrachtungen unserer medial geprägten Wirklichkeit. Seine Fotografien, Videos, Zeichnungen und Installationen bedienen sich einer kollektiven Bildsprache und bilden eine ironische Melange aus Zeichen der Pop- und Medienwelt und Ikonen der Hochkultur. Zwischen Humor und schmerzlichem Ernst führen sie Konsumverhalten, westliche Stereotype und Geschlechterklischees vor Augen. Ein Spannungsfeld zwischen Kunst und Kitsch, Realität und Täuschung, Authentizität und Künstlichkeit, entsteht. Das NRW-Forum Düsseldorf widmet dem in der Schweiz geborenen und in New York lebenden Künstler auf über 600 Quadratmetern die bisher größte Retrospektive mit allen wichtigen Werkzyklen der vergangenen fünfzehn Jahre.

Für die großformatigen Farbfotografien der Serie „Art Freaks“ (2011) bemalte Olaf Breuning die Haut von Models und verwandelte sie in Gemälde von Pablo Picasso, Francis Bacon, Edvard Munch oder Jackson Pollock. Die Art Freaks stehen mit unbehaglichem Blick in Reih und Glied, verweisend auf einen historischen Bilderkanon und verhandeln an ihren exponierten Körpern das Verhältnis von High und Low. Die neue Serie „The Life“ (2015) zeigt Menschen umgeben von den Gegenständen und Symbolen eines ganz normalen Lebens in einer westlichen Medien- und Konsumgesellschaft. Bunte, süße und klebrige Materialien, ironische Cartoon-Sprechblasen, absurde Gesten und Posen, die großformatigen Fotocollagen sind humorvolle Betrachtungen eines Wahnsinns, den wir Realität nennen. OLAF BREUNING. DER WAHNSINN, DEN WIR REALITÄT NENNEN. Eröffnung am 10. Juni, zu sehen bis 21. August 2016. Link: www.nrw-forum.de

Fotos / Bildnachweise: Olaf Breuning, Sand Sculpture, 2008, Sagamore Hotel, Art Basel Miami; Olaf Breuning, Life II, 2015, Photo / Courtesy Olaf Breuning / Metro Pictures; Olaf Breuning, The Artfreaks, „Pablo“, 2011, Courtesy Olaf Breuning / Metro Pictures; Olaf Breuning, The Artfreaks, 2011, „Andy“, Courtesy Olaf Breuning / Metro Pictures

CONTEMPORARY ART RUHR


Am 3. Juni öffnet die contemporary art ruhr 2016 ihre Tore. Die außergewöhnliche Medienkunstmesse & Foto-Special auf Zollverein in Essen lädt ein mit über einhundert  Medienkünstlern aus aller Welt in die einzigartige Atmosphäre des preisgekrönten SANAA-Gebäudes. Zum zehnten Mal findet in diesem Jahr der fein abgestimmte Mix aus Kunstschau und Verkaufsmesse statt: Innovative Galerien, Kunstprojekte, Kunsthochschulen und C.A.R. – Talente präsentieren ihre interessantesten Arbeiten jenseits der klassischen Kunstsparten; von Fotografie, Videokunst, Installationen, Netzkunst, Klanginstallation und Lichtkunst bis hin zur Performanceart. Die experimentell ausgerichtete Medienkunstmesse hat sich, zusammen mit der innovativen Kunstmesse für alle Sparten der zeitgenössischen Kunst im Herbst, von einer Veranstaltung in einer Halle zur größten Kunstmesse in der Region entwickelt. Die C.A.R. ist die Messe für Entdecker, die neue Positionen in kommunikativer Atmosphäre vorstellt, mit einer offenen Ausstellungssituation rücken Kunst und Kommunikation in den Mittelpunkt.

Pure Entdeckerfreude an innovativen Inhalten und Kunst als Anlagewert: Die C.A.R. Medienkunstmesse bildet die Brücke zu Beidem. Das Konzept der C.A.R. ist ein harmonischer Dreiklang: 1. fair: mit gleichen Einstiegsbedingungen für die Teilnehmer. 2. minimalistisch: mit einem offenen und puristischen Erscheinungsbild. Und 3. pulsierend: mit immer wieder neuen Einblicken in aktuelle Strömungen der zeitgenössischen Kunst. Veranstalter ist die galerie/agentur 162 mit den Inhabern Silvia Sonnenschmidt & Thomas Volkmann. Über 3000 Aussteller haben seit 2006 an den Veranstaltungen teilgenommen. 10.000 Besucher kommen jährlich zu den beiden Veranstaltungen der C.A.R. nach Essen. Parallel zum Betrieb der Kunstmesse finden Sonderausstellungen, verschiedene Events, die C.A.R. – V.I.P.-Lounge im CASINO Zollverein, die C.A.R.-Video-Lounge, sowie ein umfangreiches Rahmen-Programm statt. Die Eröffnung findet statt am Freitag, 3. Juni ab 20 Uhr, an den Messetagen, Samstag, 4. und Sonntag, 5. Juni, ist die Kunstschau von 11 Uhr bis 19 Uhr geöffnet. Location: UNESCO-Welterbe Zollverein, Areal A [Schacht XII], SANAA-Gebäude [A35], Gelsenkirchener Straße 209, 45309 Essen. Link: www.contemporaryartruhr.de

Fotos / Bildnachweise: Galerie Ricarda Fox: Horst Kistner, “Fisher´s Wife”, Giclée–Pigmentdruck auf HahnemühleMatt FineArtUltra Smooth. Druck mit lichtechten Pigmenten auf Papier höchster Qualität. 55cm/85cm, Aufl. 10; SANAA, Zollverein, Außenansicht, BOLD, H. G. Teiner; SANAA, Zollverein, C.A.R., Innenansicht, BOLD, H. G. Teiner; Galerie Klose: „Georg Pieron“, Jannis Markopoulos; Galerie Directors Lounge: Julia Murakami, „Exercises in Temperance“, 2016, Pigment print on Hahnemühle, Edition of 10 (+2 AP), 45 x 30 cm

TARGETS


Mit dem Projekt „Targets“ der deutschen Fotokünstlerin Herlinde Koelbl zeigt das Schweizer Museum für Gestaltung in Zürich, mit welchen stereotypen Feindbildern auf den verschiedenen politischen Seiten operiert wird. Die Fotos der militärischen Schießübungen lassen die reale Grausamkeit im Krieg erahnen. Sie zeigen im Detail zerfetzte Silhouetten aus Karton, durchlöcherte Plastikpuppen oder zerschossene Blechfiguren in einem Acker. Die Fotokünstlerin hat während sechs Jahren diese Targets in über 30 Ländern aufgenommen. Herlinde Koelbl geht es dabei um mehr als um das spektakuläre Einzelbild, in der Zusammenschau formieren sich die Werke zur vielschichtigen Aussage, welche die Absurdität des weltweiten Kriegshandwerks offensichtlich vor Augen führt. Obwohl sich die Targets, die Armeen und die Übungsumgebungen länderspezifisch unterscheiden, wird eines deutlich: In letzter Konsequenz werden die Soldaten weltweit darauf konditioniert, im Ernstfall auf den Feind, auf den anderen Menschen zu zielen, um ihn zu töten. Der Feind ist immer der Andere. Koelbls Aufnahmen zeigen abstrakte Zielscheiben ebenso wie solche, die menschlichen Figuren und bestimmten Menschentypen nachempfunden sind. Von realen Projektilen durchlöcherte Pappkameraden geben ein beklemmendes Bild ab. Komplexer wird es noch mit dem Laser-Simulationssystem, selbst wenn die Laser-Attacken keine erkennbaren Beschädigungen an Leib und Gelände hinterlassen, die Simulation ist ungemein realitätsnah.

Bereits in ihrem ersten Langzeitprojekt „Das deutsche Wohnzimmer“ (1980) hatte sich Herlinde Koelbl (*1939) mit gesellschaftlichen Themen auseinandergesetzt. Ihre Fotokunst erlangte grosse Bekanntheit mit Werkzyklen wie „Männer“ (1984), „Jüdische Portaits“ (1989), „Starke Frauen“ (1996) oder dem Bildband „Spuren der Macht“ (1998), welcher Politiker wie Joschka Fischer, Gerhard Schröder oder Angela Merkel über die Jahre hinweg im Porträt dokumentiert. Herlinde Koelbl konnte Ausstellungen in renommierten Häusern ausrichten und diverse Auszeichnungen entgegennehmen. „Targets – Fotografien von Herlinde Koelbl“, Museum für Gestaltung – Schaudepot. Die Ausstellung ist zu sehen bis 18. September 2016. Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 96, CH-8005 Zürich. LINK: www.museum-gestaltung.ch

Fotos: Herlinde Koelbl, Targets – Israel; Herlinde Koelbl, Targets – Libanon; Herlinde Koelbl, Targets – Libanon; Porträt, 2014, © Johannes Rodach

 

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