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MIRÓ


Mit seinen auf den ersten Blick heiter-naiv erscheinenden Bildern ist der spanische Maler Joan Miró (1893-1983) international äußerst populär geworden. Eine absolute Ikone der Malerei der klassischen Moderne. Die fantasievolle Welt einer schwerelosen Symbolik durchzieht sein Schaffenswerk. Doch es steckt mehr dahinter: Zu einer Neuentdeckung lädt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf ein. Zum ersten Mal wird hier systematisch das enge Wechselspiel zwischen der Kunst des Spaniers und der avantgardistischen Literatur seiner Generation vor Augen geführt. Dazu können sich 110 Gemälde, Zeichnungen und Malerbücher aus allen Schaffensphasen Mirós in den großzügigen Räumen vor den Kunstinteressierten in ihrer besonderen Wirkung in Raum und Zeit entfalten. Oben und erstes Bild der Galerie: Bild-Gedicht. Ein Stern liebkost die Brust einer Schwarzen.

Als 27-Jähriger verließ Miró 1920 seine Heimatstadt Barcelona und ging nach Paris, suchte dort die Nähe seines Idols Picasso und geriet rasch unter den Einfluss von Dadaismus und Surrealismus: Bedeutende Literaten wie Tristan Tzara, Max Jacob, Pierre Reverdy, Paul Éluard oder André Breton zählten bald zu seinen engen Freunden. Ernest Hemingway war ein ausgemachter Bewunderer von Mirós Gemälden.

Ein besonderes Kapitel widmet sich so dem Thema der Malerbücher Mirós und der Bibliothek des manischen Lesers. Dank umfangreicher Leselisten des Spaniers („tout Freud“, „alles von Freud“) kann sich der Ausstellungsbesucher in der teilweise rekonstruierten Bibliothek Mirós selbst in die Lieblings-Lektüre des Künstlers vertiefen. Seine Malerbücher, von denen seit den späten 20er Jahren insgesamt 250 Stück in engem Austausch mit den Autoren und in kleiner bibliophiler Auflage entstanden, sind der intensivste Ausdruck der Beschäftigung Mirós mit der Literatur. Unter anderem sind als Höhepunkte der Buch-Kunst des 20. Jahrhunderts Parler seul (1948/50) zu Texten von Tristan Tzara sowie À toute épreuve (1958) zu Paul Éluard zu sehen, in denen sich Text und Bild ideal und gleichberechtigt ergänzen.

Miró. Malerei als Poesie – die Ausstellung ist bis zum 27. September 2015 geöffnet. Link: www.kunstsammlung.de

Fotos: Joan Miró (1893-1983), Peinture-poème (Une étoile caresse le sein d’une négresse) (Bild-Gedicht. Ein Stern liebkost die Brust einer Schwarzen), April 1938, Öl auf Leinwand, 129,5 x 194,3 cm, Tate, London, © Successió Miró / VG Bild-Kunst 2015; Joan Miró (1893-1983), Personnages rythmiques (Rythmische Figuren), 1934, Öl auf Leinwand, 193 x 171 cm, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, © Successió Miró / VG Bild-Kunst 2015; Joan Miró (1893-1983), Cercle rouge, étoile (Roter Kreis, Stern), 13. Juli 1965, Öl und Acryl auf Leinwand, 116 x 89 cm, Privatsammlung, als Dauerleihgabe in der Fundació Pilar i Joan Miró a Mallorca, © Successió Miró / VG Bild-Kunst 2015 – Alle Fotos: © Kunstsammlung NRW