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SUMMER OF LOVE


San Francisco 1967: Zum 50. Jubiläum widmet das Museum Folkwang in Essen der Hippie-Kultur im Sommer 2017 eine beachtlich umfangreiche Ausstellung. Rund 250 psychedelische Poster, ergänzt durch Fotografien, Schallplattencover und Konzertkarten, ermöglichen einen umfassenden Einblick in diese aufregende soziale Umbruchphase. Vor dem Hintergrund schwerer Rassenunruhen, dem Vietnamkrieg und einer zunehmend konsumorientierten Gesellschaft, entwickelte sich in San Francisco der 1960er Jahre eine Gegenkultur, die nach neuen Wegen im Zusammenleben von Menschen und Staaten suchte. Sexuelle Befreiung, Bürgerrechtsbewegungen und Antikriegsdemos standen plötzlich im Fokus. Neben dem fantastisch-bunten Dresscode war es vor allem die Musik von Jefferson Airplaine, The Grateful Dead, The Doors oder Jimi Hendrix und Janis Joplin, die der Bewegung Ausdruck verlieh. Geworben wurde mit Postern, vor allem mit psychedelischen Formen, Farben und Inhalten. Den Künstlern ist es in kürzester Zeit gelungen, einen völlig neuen Stil zu kreieren: Europa diente unter anderem mit Elementen des Jugendstils und der Wiener Sezession als Inspirationsquelle. Auch die zeitgenössische amerikanische Kunst und neue Strömungen wie etwa die Pop Art griffen namhafte Plakatkünstler und Designer wie Victor Moscoso, Bonnie MacLean, Gary Grimshaw, Lee Conclin, Bob Schnepf und andere auf. San Francisco 1967 ist die bisher größte Plakatausstellung zum Summer of Love in Europa überhaupt. San Francisco 1967 – Plakate im Summer of Love. Bis 3. September 2017. Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen.  www.museum-folkwang.de

Image Credits: (Bild 1) Gene Anthony, Trips Festival, Crowd, 1966, Fotografie, 40,5 x 50,5 cm, Sammlungen Lutz Hieber und Gisela Theising, © Wolfgang’s Vault 2017; (Bild 2) Victor Moscoso, The Chamber Brothers „Glasses“, San Francisco, 1967, 51 x 36 cm, Sammlungen Lutz Hieber und Gisela Theising, © Victor Moscoso 2017; (Bild 3) Gary Grimshaw, Jimi Hendrix Experience, Soft Machine, The Paupers, Toronto, 1968, 56 x 33 cm, Sammlungen Lutz Hieber und Gisela Theising, © Gary Grimshaw 2017

DANCING WITH MYSELF


In der außergewöhnlichen Ausstellung „Dancing with Myself“, welche zur Zeit in Essen zu sehen ist, stehen die Künstler und Künstlerinnen selbst im Mittelpunkt. Was die Arbeiten verbindet, ist die vielfältige Präsenz des Künstlers und der Künstlerin im eigenen Werk. Sie sind die Akteure und das Ausgangsmaterial für ihre Arbeiten: Ihre Körper, ihre Biografien, ihre sozialen oder sexuellen Identitäten, ihr Humor, ihre Melancholien. Jenseits des klassischen Selbstporträts spielt die Ausstellung auf der Tastatur der künstlerischen Temperamente und Haltungen. Zum ersten Mal ist damit die herausragende Sammlung von François Pinault in diesem Umfang in Deutschland zu sehen.

Dancing with Myself ist ein spielerischer, poetischer, politischer, und wilder Tanz durch die Gegenwartskunst seit Ende der 1960er Jahre bis in unsere Zeit. Die Ausstellung ist zugleich auch ein großartiges mediales Cross-Over. Die großen Formate der Malerei treffen auf raumgreifende Videoinstallationen, Fotografie gewordene Körper treffen auf skulpturale Fragmente. Der Fotoapparat, die Video- oder Filmkamera, die Leinwand, der Raum, die konzeptuelle Geste – ein Spiel mit den unterschiedlichsten Ausdrucksmitteln umfängt die Besucher. Dancing with Myself – Selbstporträt und Selbsterfindung. Werke aus der Sammlung Pinault. Bis zum 15. Januar 2017. Location: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen. Link: www.museum-folkwang.de

Credits & Copyright: LaToya Ruby Frazier, Self Portrait (Lupus Attack), 2005, Aus der Serie Notion of Family, Silbergelatinedruck auf Pappkarton, 61 x 50,8 cm, Pinault Collection, © LaToya Ruby Frazier und Michel Rein, Paris/Brussels, Foto: all rights reserved; Cindy Sherman, Untitled #564, 2016, Thermosublimationsdruck auf Metall, 175.9 x 118.7 cm, Pinault Collection, © Cindy Sherman, Courtesy of the artist und Metro Pictures, New York; Nan Goldin, Nan one month after being battered,1984, Cibachrome, 51 x 61 cm, Museum Folkwang, © Nan Goldin, Courtesy of Matthew Marks Gallery, Foto: Museum Folkwang

KATHARINA FRITSCH


Katharina Fritsch ist eine international anerkannte Künstlerin, bekannt durch ihre einfarbigen, meist überlebensgroßen, stilisierten Figuren. Für ihren berühmten Rattenkönig hatte sie einmal zwei Dutzend meterhohe schwarze Ratten in einen Kreis gestellt und die Rattenschwänze zusammengebunden. Kindheitserinnerungen verwebt sie in ihren Arbeiten mit Ängsten und archetypischen Klischees. In einer zwischen 2005 und 2007 entstandenen Serie thematisiert Katharina Fritsch ihren Geburtsort Essen. Im Museum Folkwang sind aktuell die Postkartenmotive zu sehen, die Fritsch stark vergrößert und im Siebdruckverfahren farblich verfremdet hat. Sie stammen von ihrem Großvater, der ihr auf diesem Wege Grüße aus der Heimat ins benachbarte Düsseldorf schickte, wo Fritsch heute als Professorin an der Kunstakademie unterrichtet. Die historischen Postkarten aus den 1970er und 80er Jahren zeigen unter anderem den Baldeneysee mit Segelschiff und Aufnahmen des Grugaparks mit seinen typischen Wasserfontänen.

Katharina Fritsch verbindet das Persönliche mit dem Kollektiven. Die Werke berichten in ihrer Leichtigkeit vom deutschen Wirtschaftswunder, geheimnisvoll changieren sie zwischen Melancholie, Unbeschwertheit, Eskapismus und Scheinhaftigkeit. Ihre reproduzierten Abbilder von Abbildern knüpfen an den Umgang mit Bildern in der Pop-Art an, gehen mit ihrer poetischen Kraft inhaltlich in eine andere Richtung, erscheinen sie doch wie einander überlagernde Erinnerungsbilder. Katharina Fritsch. 13. Mai bis 30. Oktober 2016. Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen. LINK: www.museum-folkwang.de

Fotos: Katharina Fritsch, 5. Postkarte (Essen), 2005, Siebdruck, Kunststoff, 200 x 282,5 cm; 1. Gartenskulptur (Torso), 2005, 1. Postkarte (Essen), 2006, Polyester, Farbe, Siebdruck, Kunststoff, 200 x 40 x 40 cm / 280 x 400 cm; 3. Gartenskulptur (Skelettfüße), 2006, 1. Foto (Rosengarten), 1977–2007, Polyester, Farbe, Siebdruck, Kunststoff , 140 x 40 x40 cm / 280 x 400 cm;  Alle Fotos: Ivo Faber, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

ABSOLUTE GESTALTUNG


Otto Steinert prägte die deutsche Fotografie der 1950er und 1960er Jahre. Eine groß angelegte Ausstellung präsentiert jetzt in Essen sein fotografisches Werk. In Steinerts Schrift „Über die Gestaltungsmöglichkeiten der Fotografie“, veröffentlicht im Katalog zur zweiten Ausstellung der Subjektiven Fotografie 1955, formulierte er die vier Vollendungsstufen des fotografischen Schaffens, die in einer darstellenden fotografischen Gestaltung und einer absoluten fotografischen Gestaltung ihren künstlerischen Höhepunkt finden.

An die Stelle der Abbildung von Wirklichkeit setzte Steinert die Autonomie einer eigenen Bildwirklichkeit. In Fortführung der formalen Experimente des Neuen Sehens der 1920er und 1930er Jahre werden die kameralose Fotografie, die Reduktion auf strenges Schwarz-Weiß, enge Ausschnitte, Langzeitbelichtungen, die Umkehrung von Tonwerten sowie Mehrfachbelichtungen in der Dunkelkammer zu den bevorzugten fotografischen Stilmitteln. Otto Steinert – Absolute Gestaltung. Bis 28. Februar 2016. Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen. www.museum-folkwang.de

Fotos: Otto Steinert, Bildnis hell – dunkel, 1950, Bromsilbergelatine, Fotomontage, Vintage Print, photo montage, vintage print, © Nachlass Otto Steinert, Museum Folkwang, Essen; Otto Steinert, Ein-Fuß-Gänger, 1950, Bromsilbergelatine, Langzeitbelichtung, Leica 9 cm, © Nachlass Otto Steinert, Museum Folkwang, Essen; Otto Steinert Luminogramm 1, 1952, Bromsilbergelatine, Vintage Print, © Nachlass Otto Steinert, Museum Folkwang, Essen