16. Juni 2026

A quiet and emotional farewell under a grey sky: Die letzte Saison der aktuellen Alpine A110

Der Anlass könnte kaum emotionaler sein: Es ist die letzte Saison der aktuellen Alpine A110. Ende Juni 2026 endet ihre Produktion – ein Gedanke, der dieser Reise eine fast melancholische Stimmung verleiht. Für uns ist es deshalb nicht nur ein Roadtrip, sondern vielmehr ein Abschied. Dafür haben wir uns eine Alpine A110 R 70 in leuchtendem Orange organisiert, das selbst graue Tage zum Strahlen bringen soll.

Die Anreise selbst verlief fast zu reibungslos. Die A110 zeigte sich von ihrer besten Seite: leichtfüßig, präzise und mit genau diesem fahraktiven Charakter, der sie zu einem der faszinierendsten Sportwagen ihrer Zeit gemacht hat. Jeder Kilometer fühlte sich wie eine kleine Hommage an das Konzept: „weniger ist mehr“ an. Doch kaum erreichen wir Paris, schlägt das Wetter um – und zwar mit einer Konsequenz, die keinen Raum für Diskussion lässt. Regen. Nicht dieser leichte, filmische Niesel, der einer Stadt Charme verleiht. Sondern Regen, der fällt, als hätte jemand beschlossen, den Himmel komplett zu entleeren. Innerhalb kürzester Zeit verwandelten sich Straßen in spiegelnde Flächen, die jede spontane Ausfahrt zur Mutprobe machen.

Unser Plan, die A110 vor der Kulisse von Paris ausgiebig zu bewegen und zu fotografieren, zerfloss buchstäblich im Wasser. Es blieb uns nur ein kleines Zeitfenster – ein kurzer Moment, in dem der Regen etwas nachließ. Wir nutzten ihn, fuhren eine knappe Runde durch die Stadt, vorbei an verschwommenen Fassaden über glänzend-nassen Asphalt. Ein eher flüchtiger Gruß an die Stadt an der Seine als eine echte Ausfahrt. Also entscheiden wir uns für Plan B, denn wenn Paris uns schon keine Bühne bieten kann, schaffen wir uns unsere eigene.

In der Tiefgarage des Hotels Courtyard Paris Porte de Versailles finden wir genau das: eine ruhige, fast intime Atmosphäre. Beton, gedämpftes Licht und diese besondere Stille, die nur unterirdische Parkhäuser haben. Hier wirkt unsere Alpine A110 R 70 plötzlich noch intensiver. Das Orange des Lacks steht im starken Kontrast zu den grauen Wänden, jede Linie des Fahrzeugs tritt deutlicher hervor, fast schon skulptural. Hier nehmen wir uns Zeit: Kein Druck, kein Verkehr, kein Regen, der uns zur Eile zwingt. Stattdessen konzentrieren wir uns auf die Details: die feinen Carbon-Elemente, die kompromisslose Leichtigkeit, die Haltung des Autos – niedrig, gespannt, immer bereit. Hier entstehen keine klassischen Reisefotos, keine Postkartenmotive. Aber vielleicht sind es gerade deshalb die besten Bilder dieser besonderen Fahrt.

Am Ende bleibt von der Reise etwas anderes als ursprünglich geplant. Keine große Pariser Ausfahrt, keine sonnendurchfluteten Boulevards, keine ikonischen Kulissen im perfekten Licht. Stattdessen eine Erinnerung daran, dass nicht jede Reise perfekt verlaufen muss, um bedeutend zu sein. Oft sind es gerade die Umwege, die Einschränkungen und die ungeplanten Entscheidungen, die einer Reise ihren eigentlichen Charakter geben. Manchmal reicht ein kurzer Moment auf nassem Asphalt – und eine stille Begegnung mit einem besonderen Auto in einer Tiefgarage, um zu verstehen, warum man überhaupt losgefahren ist. Es geht nicht nur um das Ziel, nicht um das perfekte Bild oder den idealen Moment. Es geht um das Erleben selbst, um das Gefühl, unterwegs zu sein, und um die Geschichten, die gerade dann entstehen, wenn nicht alles nach Plan läuft.

Zu guter Letzt werfen wir noch einen Blick auf die Rétromobile: Seit ihrer Gründung (1976) hat sich die Pariser Messe zu einem der bedeutendsten Treffpunkte für klassische Automobile entwickelt. Was einst als überschaubare Ausstellung begann, ist heute ein internationaler Fixpunkt für Sammler, Hersteller und Enthusiasten, bei dem Geschichte nicht nur gezeigt, sondern regelrecht zelebriert wird. Zwischen ikonischen Rennwagen, seltenen Prototypen und liebevoll restaurierten Klassikern spannt sich jedes Jahr ein Bogen von den Anfängen des Automobils bis in die jüngere Vergangenheit. Es ist ein Ort, an dem Emotionen genauso zählen wie Technik – und an dem Vergangenheit und Gegenwart auf besondere Weise miteinander verschmelzen. Für Alpine hatte die Messe in diesem Jahr eine besondere emotionale Aufladung. Mit dem bevorstehenden Produktionsende der aktuellen A110 im Juni markiert sie das Ende einer Ära, die 2017 mit der Neuinterpretation der legendären Berlinette begann. Entsprechend präsentierte sich die Marke nicht nur mit ihren historischen Wurzeln, sondern auch mit einem klaren Blick zurück auf das, was die A110 so besonders gemacht hat: Leichtigkeit, Präzision und Fahrfreude.

Gerade in diesem Kontext wirken unsere Tage mit der A110 R 70 noch intensiver – wie ein stiller Höhepunkt und konzentrierte Essenz dessen, wofür Alpine steht: den kompromisslosen Fokus auf das Fahrerlebnis, fernab von Überfluss und Inszenierung.

MEHR INFORMATIONEN:
www.alpinecars.de

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Autor:
J. M. Brain
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