Tag Archives: StreetPhotography

ROBERT DOISNEAU


Nur wenige Fotografen sind mit einem einzigen Bild weltweit so berühmt geworden. „Le Baiser de l’Hôtel de Ville“ ist ein solches Bild. Robert Doisneau (1912-1994) hat es im März 1950 vor einem Pariser Straßencafé aufgenommen. Das Bild des sich küssenden Paares wurde zum Sinnbild von Paris als „Stadt der Liebe“ und zählt zu den Ikonen der Fotografie. Das Bild ist allerdings nicht durch reinen Zufall entstanden und es war für das Magazins LIFE bestimmt. Doisneaus Werk umfasst etwa 350.000 Fotografien, die Ausstellung gibt mit 100 ausgewählten Arbeiten – zum Großteil entstanden in den 1940er- und 50er-Jahren – entscheidende Einblicke in seine spezielle Weise, die Welt zu sehen. Bis heute steht Robert Doisneau für eine „humanistische Fotografie“, die sich den Menschen in ihrem Alltag zuwendet. Robert Doisneau sagte einmal: „Meine Fotos gefallen den Leuten, weil sie darin wiedererkennen, was sie sehen würden, wenn sie aufhören würden, sich abzuhetzen. Wenn sie sich Zeit nehmen würden, um die Stadt zu genießen …“ „Robert Doisneau – Fotografien. Vom Handwerk zur Kunst“. Dauer: Bis 05. März 2017. Location: Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin. Link: www.berlinerfestspiele.de

Image Credits: Robert Doisneau: Le Baiser de l’Hôtel de Ville, Paris, 1950, © Atelier Robert Doisneau, 2016; Robert Doisneau: Hommages respectueux, 1952; © Atelier Robert Doisneau, 2016; Robert Doisneau: Mademoiselle Anita, 1951, © Atelier Robert Doisneau, 2016

SYRIAN PHOTOGRAPHY


Syrien heute, das bedeutet Zerstörung, Leid und Tod. Der syrische Fotograf Mohamad Al Roumi hat ein außerordentliches Lebenswerk über sein Heimatland geschaffen. Dies ist zu sehen in der Ausstellung „Kontrast Syrien“ im Museum für Islamische Kunst in Berlin. Es vermittelt ein anderes Bild aus vergangenen Tagen. Al Roumi zeigt das provinzielle Nordostsyrien der 1990er Jahre mit seiner nomadischen Bevölkerung und die Arbeitsbedingungen in den von Armut betroffenen Vorstädten. Viele der Menschen, die heute bei uns als Flüchtlinge ankommen, nennen diese Gegenden Syriens ihr Zuhause. Mohamad Al Roumi wurde 1945 in Aleppo geboren und wuchs in Tell Abiad, einer kleinen Steppenstadt im syrischen Mesopotamien auf. Der multiethnische Charakter der Region prägte ihn ebenso wie die Kultur der dort lebenden Nomaden. Als Absolvent der Hochschule der Schönen Künste in Damaskus 1972 hat er sich früh der Fotografie zugewandt. Heute lebt Al Roumi in Paris, er gilt er als einer der bedeutendsten Fotografen Syriens.

Mohamad Al Roumi teilt mit dem Betrachter seinen ganz persönlichen Blick auf seine Heimat. Seine Fotos bieten ein Konzentrat der vergangenen Wirklichkeit. Mit einem speziellen Blick auf die Schönheit genauso wie auf die Hässlichkeit der Alltäglichkeiten. Im Mittelpunkt stehen die Menschen in ihrer Lebensumgebung. Es wird deutlich, dass Syrien einmal die Heimat von Menschen verschiedener ethnischer und religiöser Herkunft gewesen ist. Die wahre Bedeutung Syriens für seine Menschen wird dadurch nachvollziehbarer und ein wenig mehr spürbar. Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit dem Syrien Heritage Archive Project organisiert und vom Auswärtigen Amt unterstützt. Museum für Islamische Kunst | Kontrast Syrien. Fotografien von Mohamad Al Roumi | Bis zum 30. Oktober 2016. Link: www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/museum-fuer-islamische-kunst

Fotos / Bildnachweise: Ästhetische Zweckmäßigkeit dank massiver Lehmwände (Al-Amarne 1995) © Mohamad Al Roumi; Tor der Armut (Damaskus 2008) © Mohamad Al Roumi; Quell des Lebens: Wasserschöpfen am Euphrat (As-Sandaliya 1990) © Mohamad Al Roumi; Ordnung im Beduinenzelt (1982) © Mohamad Al Roumi; Armenische Autowerkstatt (Aleppo 2008) © Mohamad Al Roumi

STREET PHOTOGRAPHY EXTREM


Der urbane Dschungel mit seinen Subkulturen, Verlockungen und Risiken: Dieses Thema verfolgen die drei fotografischen Positionen von Ken Schles, Jeffrey Silverthorne und Miron Zownir, die im Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg zu sehen sind. »Silverthorne, Schles und Zownir berühren gesellschaftliche Tabus, die wir meiden. Mit der Kraft des radikalen Blicks wird die Wirklichkeit in unser Bewusstsein zurück katapultiert und damit wieder Teil unserer Existenz«, so Ingo Taubhorn, Kurator der Ausstellungen.

Im Zentrum der Ausstellung von Ken Schles (geb. 1960) stehen die zwei Werkgruppen »Invisible City« und »Night Walk«, die der amerikanische Fotograf Ende der 1980er Jahre in New York fotografierte. Sie zeigen in einer Art persönlichem Tagebuch das Leben in der Lower East Side über den Zeitraum von zehn Jahren. Es sind packende Darstellungen einer verschwundenen, schockierend harten und vielfältigen Welt, zu der nur Wenige Zutritt hatten. Das fotografische Werk Jeffrey Silverthornes (geb. 1946) stellt pointiert existenzielle Lebensfragen nach Identität, Geschlecht, Liebe, Gewalt, Sexualität und Tod. Seine Themen findet er an der Grenze zu Mexiko oder in New York, in Leichenschauhäusern oder in Bordellen, bei Transvestiten und Transsexuellen. Miron Zownir (geb. 1953), gehört seit mehr als 30 Jahren zu den radikalsten Fotografen der Gegenwart. In seiner drastischen und düsteren fotografischen Sprache beschreibt Zownir die Parallelwelten von Außenseitern und Verlorenen in der Schattenwelt westlicher Metropolen wie Berlin, New York, London und Moskau. Es sind die Nachtseiten des menschlichen Daseins, die existenziellen Ausnahmezustände und Grenzsituationen, die der Fotograf aufspürt und sichtbar macht. KEN SCHLES / JEFFREY SILVERTHORNE / MIRON ZOWNIR. HAUS DER PHOTOGRAPHIE – Deichtorhallen Hamburg, Deichtorstr. 1-2, 20095 Hamburg. Bis zum 7. August 2016. Link: www.deichtorhallen.de

Fotos / Bildnachweise: Ken Schles, Drowned In Sorrow, 1984. © Ken Schles;  Ken Schles, Limelight, 1983 © Ken Schles; Jeffrey Silverthorne, Kissing, Dallas Cowboys, Nuevo Laredo, Texas-Mexico, 1986. 50 x 40 cm, cibachrome. © Jeffrey Silverthorne. Courtesy Kehrer Galerie; Miron Zownir, NYC 1982. © Miron Zownir